Auszug aus der Wettkampf-Ordnung der EUROPEAN WRESTLING PROMOTION

 

Als Grundbasis der Kampfregeln im Freistil (catch-as-catch-can) sind die „Admiral-Lord-Mount-Evans-Regeln" anzusehen. Diese wurden für nationale und internationale Berufsringkampf-Veranstaltungen von der ,,British Wrestlng Promoters Association" eingeführt.

Etwa um 1930 entwickelte sich auf den britischen Inseln in unkontrollierter Form das amerikanische Berufsringen, das auch als „All-in" bezeichnet wird. Durch das völlige Fehlen irgendwelcher Aufsichtsorgane führte dieses Ringen zu einer fast vollständigen Regellosigkeit und zu einer ungewöhnlichen Verrohung des schönen Ringkampfsportes.

Die Lage auf dem Sportgebiet des Berufsringens wurde daraufhin in England von einem berufenen Ausschuß sorgfältig untersucht. Diesem Ausschuß gehörten an:

  • der Admiral Lord Mount Evans
  • Norman Morell, Teilnehmer an der Olympiade
  • der durch die BBC bekannte Commander Campbell
  • Maurice Webb, Mitglied des Parlaments.

Der Ausschuß trat 1946 in den Houses of Parliament zusammen, und die von diesem Ausschuß aufgestellten Regeln für das Berufsringen wurden hiernach bekannt als der „Admiral-Lord-Mount-Evans-Style".

 

Regel Nr. 1: Die regulären Griffe

Die regulären Griffe, Würfe, Abwehr- und Angriffstechniken finden zusammengefaßt folgende Definition:

Erlaubte Kampfaktionen der Kämpfer sind Kombinationen von Griffen mit einer oder beiden Händen und/oder mit einem oder beiden Beinen zum Zwecke des Werfens eines Gegners, um ihn sichtbar mit beiden Schultern auf die Matte mindestens drei Sekunden zu legen oder ihn durch Anwendung eines erlaubten schmerzhaften Griffes zur Aufgabe zu zwingen, was durch den Ruf „Halt" oder „Stop" oder durch dreimaliges kurz hintereinander folgendes Klopfen mit geschlossener Hand zum Ausdruck gebracht werden kann.

Die Verwendung des Unterarmes für Angriffs- und Verteidigungszwecke, die Verwendung der Fußsohle oder Fußkante, der Schulterstoß und der Hechtsprung an die Beine, sowie das Anspringen des Gegners mit den Beinen im Standkampf, sind erlaubt.


Regel Nr. 2: Verbotene Kampfhandlungen (Fouls)

Der Kampfleiter ist ermächtigt, Verstöße und Kampfhandlungen, die vom Sinn und Geist der Kampfregeln abweichen, zu ahnden. Es gibt viele Geschehnisse eines Wrestling-Matches, welche nicht direkt verboten sind, aber in ihrer Auswirkung den Wert des Kampfes sportlich mindern und das Ansehen des Berufsringkampfes überhaupt herabsetzen könnten. In solchen Fällen bleibt es der Initiative des Kampfleiters überlassen, ordnend einzugreifen und zweckentsprechende Maßnahmen gegen die Schuldigen auszulösen.

Die grundsätzlich verbotenen Kampfhandlungen sind als solche leicht zu erkennen. Verboten sind:

1.         Griffe, die das freie Atmen des Gegners beeinträchtigen oder ganz verhindern.

2.         Der Würgegriff, wenn bei seiner Anwendung die Atmung behindert wird.

3.         Kratzen, Beißen, Haareziehen, Ziehen oder Drehen der Nase.

4.         Verdrehen der einzelnen Finger.

5.         Den Gegner an den Ohren fassen,

6.         Kniestöße, wenn sie gegen Nieren, Leisten oder Unterleib erfolgen.

7.         Kopfstöße ins Gesicht oder in den Magen des Gegners.

8.         Tritte oder Fußstöße als Angriffsaktionen. (Abwehrschläge dagegen mit der Fußsohle sind erlaubt. Der sogenannte „Eselstritt" ist erlaubt, wenn er nicht gegen Unterleibsorgane geführt wird.)

9.         Anwendung des Ellenbogens für Stöße oder Schläge.

10.       Schläge und Stöße unter die Gürtellinie.

11.       Faustschläge.

12.       Absichtlicher Gebrauch der Sportkleidung zur Gefährdung des Gegners.

13.       Die Anwendung herabsetzender Gesten oder herabsetzender Äußerungen gegenüber dem Gegner, Kampfleiter und Schiedsgericht.

14.       Ringen oder Kämpfen außerhalb des Kampfringes.

15.       Gebrauch irgendwelcher gegenständlichen Hilfsmittel.

16.       Angriffe oder Beleidigungen gegenüber Kampfleiter, Funktionären oder Zuschauern.

17.       Einölen oder Einfetten des Körpers oder der Kampfkleidung mit Öl, Fett oder Harz.

 

Regel Nr. 3: Definition einer Niederlage

Besiegt ist derjenige Kämpfer, dessen Schultern so lange auf der Matte festgehalten werden, bis der Kampfleiter bis drei gezählt hat. Besiegt ist ferner, wer mit erlaubten Kampfmitteln so hart getroffen wird, daß er zu Boden gehen muß und innerhalb zehn Sekunden nicht wieder kampffähig auf den Beinen steht, oder wer den Kampf infolge Anwendung eines schmerzhaften Griffes, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt, aufgibt.

Besiegt ist auch derjenige Kämpfer, der sich durch erlaubte Kampfeinwirkung seines Gegners allein zehn Sekunden außerhalb des Kampfringes befindet. Die Kampfaufgabe zeigt an, wer dreimal deutlich sichtbar mit der gleichen Faust auf die Matte schlägt (im Behinderungsfalle auf den eigenen Körper) oder wer deutlich hörbar „Stop" oder „Halt" ruft oder wer dem Kampfleiter sonst eine entsprechende, klar verständliche Erklärung abgibt.

 

Regel Nr. 4: Verletzungen

Wird ein Kämpfer ohne Verschulden seines Gegners offensichtlich verletzt, so kann der Kampfleiter auf Ersuchen des Verletzten oder nach eigenem Ermessen den Kampf für eine Minute unterbrechen. Innerhalb dieser Minute muß der Kampfleiter, evtl. mittels Verständigung mit dem Ringarzt oder dem Schiedsgericht klarstellen, ob der Verletzte weiterkämpfen kann oder nicht. Kann der Verletzte nicht weiterkämpfen, so wird der Kampf abgebrochen und „ohne Entscheidung" gewertet. Reklamiert ein Kämpfer eine Verletzung, die sich hinterher als vorgetäuscht erweist, und hat sich dieser Kämpfer damit erkennbare Vorteile verschafft, so kann der Kampfleiter, nach Verständigung mit dem Schiedsgericht, in besonders krassen Fällen sofort die Disqualifikation gegen den täuschenden Kämpfer aussprechen. Wurde ein Kämpfer von seinem Gegner rücksichtslos angegriffen und dabei verletzt, wobei die Absicht, den Gegner zu verletzen, offenbar wurde, so hat der Kampfleiter den Kampf sofort abzubrechen. Der Kämpfer, der seinem Gegner absichtlich die Verletzung beigebracht hat, wird disqualifiziert und trägt die volle Verantwortung für alle Schäden, die durch sein böswilliges Verhalten ausgelöst wurden. Der Verletzte ist in diesem Falle zum Sieger zu erklären. Die Berufsringkämpfer sind ausnahmslos für ihren Unfallschutz selbst verantwortlich.

 

Regel Nr. 5: Disqualifikation

Wird ein Kämpfer aus irgendeinem Grunde, der sich aus groben Verstößen gegen die Kampfregeln ergibt, disqualifiziert, dann verliert er den Anspruch auf Prämien- oder Preisgelder. Er behält lediglich den Anspruch auf Startgeld und Reisespesen. Ist mit der Disqualifikation jedoch zugleich auch Ausschluß aus dem Turnierwettbewerb verbunden, kann vom Turnierleiter die Sperre der Strafgelder und der Reisespesen verfügt werden.

 

Regel Nr. 6: Entscheidungen des Kampfleiters

Solange sich die Ringer im Kampf und auf der Matte befinden, hat der Kampfleiter einzig und allein die Befugnis, über den Kampfverlauf und über die Ringer zu entscheiden. Seine Entscheidungen sind endgültig. Der Kampfleiter kann bei Fouls Strafen verhängen, und zwar:

1.         bei leichteren Vergehen ermahnen,

2.         bei wiederholten leichteren Vergehen einen Verweis erteilen.

 

Als nächste Stufen der Bestrafung erteilt der Kampfleiter

3.         die erste Verwarnung,

4.         die zweite Verwarnung und

5.         die dritte Verwarnung, die gleichbedeutend ist mit der Disqualifikation.

Bei besonders schweren Verstößen kann der Kampfleiter die zweite und dritte Verwarnung zugleich aussprechen und sofort die Disqualifikation verhängen.

6.   kann der Kampfleiter bei sich immer wiederholenden kleineren Vergehen Geldbußen anordnen.


Regel Nr. 6 a: Schiedsgericht

Zur Unterstützung des Kampfleiters ist bei Turnierwettbewerben und auch bei Match-Veranstaltungen mindestens ein Schiedsrichter einzusetzen, der sich während der Kampfgeschehnisse außerhalb des Kampfringes befindet. In Zweifelsfällen kann der Kampfleiter die Auffassung des Schiedsrichters zu einer Entscheidung heranziehen. Der Schiedsrichter ist angehalten, sämtliche Kämpfe zu protokollieren.

 

Regel Nr. 6 b: Zeitnehmer

Jeder Kampf ist im Zeitablauf durch mindestens zwei Stoppuhren zu kontrollieren. Die Zeitkontrolle wird durch einen Schiedsrichter und durch den Gongschläger ausgeübt.

 

Regel Nr. 7: Dauer der Runden und Kämpfe

Die Wettkämpfe können angesetzt werden:

a) Bei Turnier-Wettbewerben

die erste Begegnung auf 5 Runden von 4 Minuten Dauer oder auch 4 Runden von 5 Minuten Dauer mit jeweils 1 Minute Pause zwischen den Runden. Bleibt die erste Begegnung unentschieden, also ohne Ergebnis, so ist eine zweite Begegnung bis zur Entscheidung anzusetzen.

Die Gesamtkampfzeit hierfür beträgt 50 Minuten, wobei zunächst 20 Minuten in der Rundenaufteilung von 5 Runden zu 4 Minuten (oder 4 Runden zu 5 Minuten) zu kämpfen sind. Nach Ablauf dieser 20 Minuten tritt eine Kampfpause von 2 Minuten ein. Der Kampf wird danach, falls nicht vorher eine Entscheidung fällt, über weitere 20 Minuten geführt, und zwar ohne Pause. Ist eine Entscheidung nicht erzielt worden, wird über weitere 10 Kampfminuten die Punktwertung angesetzt. Vor Beginn der Punktwertung ist eine Pause einzulegen, die jedoch 2 Minuten nicht überschreiten darf.

Die Punktwertung ist so klar und eindeutig, daß sie auch vom Laien ohne besondere Fachkenntnis verfolgt werden kann. Jeder den Kampfregeln entsprechender, aus dem Stand mit Erfolg gezogener Griff, der den Gegner in die Bodenlage bringt, wird als 1 Punkt für den Kämpfer gewertet, der den Griff ausgeführt hat.

Jeder Niederschlag oder jede Gefährdung eines Kämpfers, die zur Folge hat, daß der Kampfleiter veranlaßt wird, zu zählen, wird als 1 Punkt für den Kämpfer gewertet, der den Niederschlag bzw. die Gefährdung erzielt hat.

Drängt ein Kämpfer seinen Gegner von der Matte oder wirft er ihn mit erlaubten Mitteln aus dem Kampfring heraus, so daß der Kampfrichter veranlaßt wird, zu zählen, dann wird dies für ihn als 1 Punkt gewertet.

Die Punktwertung erfolgt offen. Jeweils nach Ablauf von einer Kampfminute ist der Stand der Punktwertung öffentlich bekanntzugeben.

Punktsieger wird der Kämpfer, der am Schluß des Kampfes in der Punkt-Auswertung mindestens 3 Punkte Vorsprung vor seinem Gegner hat. Gelingt es keinem der beiden Kämpfer, sich einen Punktvorsprung von mindestens 3 Punkten zu sichern, so ist der Kampf zu beenden mit der Wertung „ohne Entscheidung". Ein Kampf, der „ohne Entscheidung" gewertet wurde, kann frühestens nach Ablauf von 48 Stunden neu angesetzt werden. Der Kampf wird dann auf 5 Runden zu 10 Minuten angesetzt. Sollte auch nach Ablauf der 5 Runden zu 10 Minuten eine Entscheidung nicht erzielt sein, dann wird der Kampf nach einer Pause von 2 Minuten pausenlos ohne Zeitbegrenzung bis zur absoluten Entscheidung angesetzt.

b) Eintage-Veranstaltungen (Match-Veranstaltungen)

Bei Eintage-Veranstaltungen (sog. Match-Veranstaltungen) kann die Festsetzung der Kampfzeiten unterschiedlich erfolgen, je nach qualitativer Abstufung der Kämpfe. Die Wettkämpfe sind in Runden von 5 Minuten Dauer aufzuteilen, mit einer Minute Pause zwischen den Runden.

Ein Kampf kann auf 4, 6, 8 oder 10 Runden angesetzt werden, außer bei möglichen Meisterschafts- bzw. Titelkämpfen, für die eine Kampfzeit von 15 Runden anzusetzen ist.

Ein Kampf kann auch ohne Pause auf eine maximale Kampfzeit von 20 Minuten angesetzt werden. 

Meisterschaftskämpfe:

Weltmeisterschaft im Schwergewicht max. 15 Runden je 3 Minuten
Intercontinental Championship max. 12 Runden je 3 Minuten
Tag Team Championship max. 60 Minuten nonstop
Juniorchampionship max. 20 Minuten nonstop

 

Regel Nr. 8: Kampfkleidung

Während des Wettstreites dürfen die Ringer keine Kleidung oder Schuhe tragen, welche den Gegner verletzen könnten. Die Sportkleidung muß immer tadelfrei und sauber sein. Die Ringerhose muß eng anliegen. Unter der Ringerhose sind eine Unterziehhose und eine Bandage (Suspensorium) zu tragen. Bein- und Obertrikots sind erlaubt.

 

Regel Nr. 9: Der Kampfring

Alle Kämpfe sollen in einem abgeseilten Kampfring von 6x6 m, nicht weniger aber als 5x5 m, stattfinden.

Der Ringboden soll mit einer Lage Filz abgedeckt sein, über die eine saubere Zeltleinwand gezogen wird. Ersatzweise kann statt Filz zweckentsprechend eine Lage Sägemehl aufgetragen werden, die staubdicht mit einer sauberen Zeltleinwand abzudecken ist.

Schaumgummimatten müssen ebenfalls mit einer Zeltleinwand überzogen sein.

 

Regel Nr. 10: Gewichtsklassen-Einteilung

Die Gewichtsklassen-Einteilung findet im allgemeinen eine nationale Regelung. Bei Turnier-Wettbewerben und Match-Veranstaltungen in Deutschland gilt folgende Gewichtsklassen-Einteilung:

Leichtgewicht bis 85 kg

Mittelgewicht bis 100 kg

Schwergewicht über 100 kg

In Ländern, wo die leichteren Gewichtsklassen stärker dominieren, gilt die Gewichtsklassen-Einteilung nach den Admiral-Lord-Mount-Evans-Regeln, die für Titel- und Meisterschaftskämpfe im Bereich des Britischen Empire und der angeglichenen Länder folgende Aufgliederung aufweist:

Federgewicht  bis 62 kg

Leichtgewicht bis 67 kg

Weltergewicht bis 72 kg

Mittelgewicht bis 77 kg

Halbschwergewicht bis 87 kg

Cruisergewicht bis 95 kg

Schwergewicht beliebiges Gewicht über 95 kg

Die Gewichtsklassen-Einteilung ist bei Meisterschaftskämpfen genau einzuhalten. Die Gewichtsklassen-Einteilung findet keine Berücksichtigung bei Turnier-Veranstaltungen, die offen sind für alle Gewichtsklassen.